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Bosnien-Herzegowina. Wegweiser zur Geschichte
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Kreuz und quer durch Bosnien-Herzegowina (Wandkalender 2017 DIN A4 quer)
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Sarajevo: Mit Ilidza, Butmir, Rakitnica-Schlucht und den Wintersportgebieten: Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Umland, Reiseinfos
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Der Cellist von Sarajevo: Roman
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No man's land
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Der große illustrierte Atlas Österreich-Ungarn
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Sarajevo - Tatort Lateinerbrücke: Eine Spurensuche im Gestern und Heute einer faszinierenden Stadt
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Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog
Die Schlafwandler
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Zeit der großen Worte
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REISEZIELE: LANDSCHAFTEN, ORTE, SEHENSWÜRDIGKEITEN, EVENTS
Sarajevo
Im Jahr 1238/39 wurde in einer Urkunde des ungarischen Königs Béla IV. erstmals eine slawi­sche Siedlung namens Vrhbosna erwähnt. Ab dem Jahr 1463 erfolgte mit dem Beginn der osma­ni­schen Herrschaft unter Isa-Beg Isaković, einem zum Islam übergetretenen Bosnier, der Ausbau der Stadt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hatte ein türkischer Statthalter sein Domizil am Ufer der Miljacka aufgeschlagen. Nach jenem Saray (türk. Palast) wurde danach die rasch aufblühende Stadt Sarajevo benannt.
Ab 1850 war Sarajevo Hauptstadt der Provinz Bosnien im Osmanischen Reich. 1878 wurde die Satdt Verwaltungszentrum des durch Österreich-Ungarn okkupierten "Kondominiums".
Das Auto in dem das Thronfolger-Ehepaar starb
Am 28. Juni 1914 wurden der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Fer­dinand und seine Frau bei einem Besuch in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo von einem serbischen Nationalisten er­schos­sen. Mit diesem Attentat wollten die serbischen Panslawisten ihre For­derung nach einer Lösung von Österreich-Ungarn unterstreichen [].

Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien wuchsen 1990 und 1991 die Span­nun­gen zwischen den Bevölkerungsgruppen in Bosnien und Herzegowina. Während die Mehrheit der Serben in der jugoslawischen Föderation bleiben wollten, wünschten sich die Bosniaken einen eigenen unabhängigen Staat. Die Kroaten aus der westlichen Herze­go­wina wollten sich dem neuen kroatischen Staat anschließen. 1992, nachdem in einem von den Serben boykottierten Referendum 66% der Einwohner Bosnien-Herzegovinas für die Un­ab­häng­igkeit optierten brach der Krieg aus. Mit Hilfe der jugo­sla­wischen Armee finden die Serben am 6. April damit an, Sarajevo von den umliegenden Hügeln zu  beschießen und in den fol­gen­den drei Jahren starben Tausende von Menschen.
Der Friedhof auf den Hügeln
Erst 1995 wurde unter internationalem der Dayton-Vertrag unter­schrieben, der zum Ende des Krieges führte, der insgesamt 100.000 Tote gefordert hatte. Mit diesem Vertrag wurden die bei­den Entitäten Fö­de­ra­tion Bosnien und Herzegowina und Republika Srpska als Bestandteile von Bosnien und Her­ze­go­wi­na festgeschrieben. Gleichzeitig wurde eine internationale militärische und zivile Kontrolle des Landes geschaffen, die bis heute anhält.

Der erste Eindruck, den man von der Stadt bekommt, ist verheerend: ein aus dem Nichts ge­stampf­ten Meer von Plat­ten­bau­ten und Glas-und-Stahl-Ungeheuern empfängt den Besucher. Man könnte meinen, die Stadt habe keine historische Substanz mehr, die Moderne und der Bos­nien­krieg der 1990er Jahren habe ganze Arbeit geleistet. Wenn man sich aber dem Statdzentrum nähert, tauchen sie wieder auf, die verschnörkelten Prachtbauten aus der österreichisch-un­ga­ri­schen Monarchie, die zahl­reichen Moscheen und die Zeugen der Vergangengeit.

Die Geschichte hat die Stadt zu einer reizvollen Mischung gemacht. Wie wunderschön muss Sa­ra­jevo zur Zeit vor dem ersten Weltkriegs gewesen sein! Die zahlreichen Gründerzeit-Fassaden erinnern irgendwie an Wien, so viel vermochte die 1878 erfolgte Besetzung Bosniens durch Österreich-Ungarn. Sie verwandelte in wenigen Jahren eine türkische Stadt in eine wun­der­bare Melange aus k.u.k. Monarchie und Türkei mit Jugendstillfassaden, Moscheen und zahlreichen grünen Parks.
Die Miljacka

Im ehemaligen Jugoslawien spielte Religion kaum eine Rolle. Man feierte Feste und Bräuche wie den islamischen Bajram mit Familie und Nachbarschaft und religiöse Unterschiede waren den Men­schen kaum bewusst. Es gab kaum verschleierte Frauen und Fundamentalismus war ein Fremd­wort. Das änderte sich mit den Kriegen. Die Verbindung von Religion und Nation spielte jetzt wieder eine wichtige Rolle. Begünstigt wird diese Entwicklung durch millionenschwere In­ves­ti­tio­nen einiger Golfstaaten wie Saudi-Arabien, die vor allem eine streng konservative bzw. fundamentalistische Islamauslegung fördern, die den traditionell eher toleranten bosnischen Islam in die Defensieve treibt. Der europäische Islam Bosniens ist gefährdet.
Abiturientinnen eines islamischen Gymnasiums
Und dennoch: Es sind vor allem die Frauen, die einen Rückschritt in der islamischen Gesellschaft nicht mehr zulassen. Der alte bosnische Geist der Toleranz und des friedlichen Zu­sam­men­le­bens zeigt sich wieder. Als Besucher in Sarajevo war mir eines aufgefallen: Wenn ich eine Gruppe junger Menschen ansprach und etwas fragt, war es meistens eine weibliche Person, die meine Fragen beantwortete. Das schein mir mit einer orthodoxen Auffassung des Islams nicht übereinzustimmen.
Was aber mit den Kopftüchern und boden­langen Gewändern? Ein Zeichen für Rückständigkeit? Aber dieselben jungen Frauen rauchen, telefo­nie­ren mobil, und wenn man sie fotografiert, wen­den sie keinesfalls ihr Ge­sicht schamhaft ab, man erntet auch das eine oder andere Lächeln. Stimmt es also doch, dass der Islam in Bosnien kosmo­po­litisch, gebildet, lebens­froh ist?
Abiturientinnen eines islamischen Gymnasiums

Wenn man Das Stichwort "Sarajevo" im Internet googelt, dann sprechen die meisten Treffer von Krieg, Islamismus und Tod. Bei anderen (auch bosnischen) Städtenamen sprächen die Ergeb­nis­se hingegen von Hotels, Restaurants, Reiseführern und Sehenswürdigkeiten. Sarajevo, also, kein Ort für Tourismus? Weit gefehlt! Auf die Liste der schönsten Städte der Welt, die von der Huf­fing­ton Post veröffentlicht wurde, schaffte es neben Paris, Mailand, Sevilla und Florenz auch die bosnische Hauptstadt Sarajevo.
Baščaršija-Platz in der Altstadt
Die Liste wurde von Studenten verfasst, die an Sarajevo vor allem die verblüffende Authen­ti­zi­tät schätzen. Neben den vielen Moscheen, Kirchen und lokalen Geschäften verleiht der Fluss Miljacka und die historische Architektur Sarajevo seinen außergewöhnlichen Flair. Was die bosnische Hauptstadt außerdem einzigartig macht, sind die unvergänglichen Spuren des Krieges.
Cevapcici-Schnellrestaurant
In der Tat: Die bosnische Hauptstadt hat sich wieder zum Touristenziel entwickelt. Die Stadt lebt als Kulturmetropole und Touristenmagnet wieder auf. Türken und Habsburger, katho­li­sche
Sarajevsko Pivo
und orthodoxe Christen, Juden und Muslime hinterließen im Stadtzentrum ihre Spuren und erzeugten ein reizvolles kulturelles Gemisch. Und die Spuren des jüngsten Krieges sind ebenso zum touristischen Ziel geworden. Zahlreiche Reiseführer bieten Touren an, die den damaligen Kämpfen nachspüren. Eine Hauptstraße wird als "Scharfschützen-Weg" beschrieben, weil hier während der Be­la­gerung Heckenschützen Jagd auf Menschen machten. Einem Tun­nel, durch den Lebensmittel in die Stadt geschmuggelt wurden, ist ein eigenes Museum gewidmet.
Vom Bašcaršija-Platz, auch Taubenplatz genannt, gehen die engen Gassen des Basars ab. Die Hauptgasse Sarači wird seit 500 Jahren von kleinen Handwerkergeschäften gesäumt. Es gibt Souvenirs wie kunstvoll hergestellte Kupferkännchen, Taschen, gerahmte Bilder bis hin zu hochwertigen Schmuck direkt vom Goldschmied. Und an jeder Ecke steigt der Geruch von frisch gegrillten Čevabčiči oder Pljeskavica in die Nase, landesübliche Hackfleischgerichte. Auf einem Platz spielen ältere Männer Schach, irgendwo singt ein Muezzin– der subtile Charme Sarajevos nimmt die Besucher in seinen Bann!
Ein Hauch von Wien (bis auf das Minarett)
Heute versucht die Stadt wieder an ihren Ruf als "Europas Jerusalem" anzuknüpfen. Hier wird eine katholische Kirche renoviert, dort ein orthodoxes Gotteshaus saniert. Die zahlreichen Moscheen in der Stadt erstrahlen wieder in prächtigen Farben.
Die Kaisermoschee
Auch das reiche kulturelle Angebot zieht immer mehr junges Leben in die Stadt. Theater, Mu­seen und Kultureinrichtungen sorgen für ein pulsierndes Stadleben. Jährliche Kultur-, Musik,- und Film­festivals locken Besucher aus aller Welt. Im Jahr 2013 besuchten mehr als 300.000 Touristen die Stadt.
Viele Besucher werden an der Lateiner-Brücke über das Flüsschen Miljacka nach einem his­to­ri­schen Fußabdruck suchen. Jener des bosnischen Attentäters Gavrilo Princip, der hier am 28. Juni 1914 Weltgeschichte schrieb.