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Ligurien: Wanderführer mit GPS-Daten
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REISEZIELE: LANDSCHAFTEN, ORTE, SEHENSWÜRDIGKEITEN, EVENTS

Apricale

Viele Touristen verbinden mit Ligurien nur einen schmalen Küstenstreifen mit vielen Badeorten, der sich von Ventimiglia im Westen bis La Spezia im Osten erstreckt. Weit weniger bekannt aber nicht weniger attraktiv ist das äußerst schwach besiedelte Hinterland dieser italienischen Region, das unberührte, wilde Landschaften mit malerischen Dörfern zu bieten hat.
Winzig ist dieser ligu­ri­sche Ort schon: Apricale hat weniger als 600 Ein­wohner und liegt etwa 13 km nördlich von Venti­mi­glia (Provinz Imperia) im Merdanzo Tal, einem Ne­bental des Nervia-Flus­ses. Blickt man auf den Ort in Richtung Norden, kann man im Hintergrund den 1299 Meter hohen monte Bignone sehen. Von Apricale aus in Rich­tung Süden erblickt man etwa 300 Meter weiter oben das Adlernest-Dorf Perinaldo, Geburtsort des berühmten Astronomen Gian Domenico Cassini, nach dem in Italien zahlreiche Gymnasien benannt sind.
Apricale gehörte bis 2011 zum Gemeindeverband Comunità Montana Intemelia, ein Zu­sam­men­schluss von 16 Berggemeinden, deren Zweck die Verwirklichung von Initiativen zur Entwicklung und touristischen Aufwertung der Region ist. In der Umgebung wird auch der einzig nennens­wer­te DOC-Rotwein Liguriens angebaut – der Rossese di Dolceacqua.
Der Name Apricale leitet sich vom lateinischen apricus (sonnen­be­schie­nen) ab. Wären da nicht die ab und zu auftretenden winzigen Ape-Nutz­fahr­zeu­ge, die es irgendwie schaffen, sich durch die engen Gassen des Ortes zu bewegen, um den Müll abzuführen oder andere Trans­port­leis­tungen aus­zuüben, könnte man den Beweis als erbracht se­hen, dass es auch ohne
Foto von Berthold Werner (GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
Autoverkehr geht. Quasi autofrei also, ver­schach­telt, 1000 Jahre alt: Dieser "borgo" gilt ohne Zweifel als eines der schönsten Dörfer Italiens.
Die Ursprünge des Ortes sind vermutlich auf die Bronzezeit zurück­zu­führen, was man dank der Auffindung von Hü­gel­grä­bern in der Lo­ka­li­tät Pian del Re nach­ge­wie­sen hat. Offiziell wur­de Apricale im 9. Jahr­hun­dert von den Grafen von Ven­ti­mi­glia ge­grün­det und erhielt 1267 die älteste autonome Verfassung in Ligurien, die nach der Herrschaft der Grafen von Ventimiglia und noch vor dem Einfluss durch die Doria entstand. 1276 ging der Ort an die berühmteste Familie Liguriens, die Doria, die Herrschaftsfamilie von Dolceacqua. Der bekannteste Herrscher der Familie war zweifelsohne Andrea Doria, der Namensgeber des berühmten Passagierschiffes.
Die autonome Verfassung des Jahres 1267 regelte das Leben des Ortes bis in die kleinsten De­tails, von der Reglementierung der Arbeit bis hin zu den Steuern und selbstverständlich wurden auch die Strafen für die wichtigsten Vergehen festgelegt. Diese Regeln waren streng bis grau­sam. Das ging von der Enthauptung von Ehebrecherinnen bis zur Amputation eines Fußes oder einer Hand für Viehdiebe. Besonders grausam die Strafe für Mord. Der Schuldige wurde mit dem Opfer lebendig begraben.
1573 zerstörten die Grimaldis aus dem in der Nähe liegenden Monaco die Burg des Ortes. 1794 erlitt Apricale den Einfall der Truppen von Napoleon Bonaparte, auf den der Anschluss an die Ligurische Re­pu­blik folgte, und später an Napoleons Reich. Nach dem Ende der napoleonischen Zeit kam im Jahr 1815 der Anschluss an das Königreich Sardinien, wie es im Wiener Kongress von den Sieger­mäch­ten bestimmt worden war. 1861 kam der Anschluss an das neu gegründete Königreich Italien.
Die schmalen, steilen Gas­sen des Ortes, die im lo­kalen ligurischen Dialekt als "carugi" bezeichnet werden, sind geprägt von überdach­ten Durch­gängen und Steinarkaden. Die zahl­rei­chen Wand­ma­le­rei­en sind Wer­ke verschie­de­ner Künstler aus Anlass der "Giornata dell'Affres­co", einer Veranstaltung für Freskenmalerei.
Um den zentralen Platz Piazza Vittorio Emanuele II. herum befinden sich das San Bartolomeo-Oratorium mit einer Barockfassade, die von einem Glockenturm überragt wird, in erhöhter Position die Pfarrkirche Purificazione di Maria Vergine und die Lehnsburg (heute Castello della Lucertola genannt). Der Kirchturm ist seit dem Jahr 2000 durch ein auf dem Dach befestigtes Fahrrad markant gekennzeichnet.