
Das Buch "Reise ans Ende der Welt" stand im Bücherregal meines Vaters und es sprach zu mir von Sehnsucht nach fernen Ländern, von "Auf-und-davon" und von "Abenteuer". Der Autor war mir völlig unbekannt, das Objekt meiner Sehnsucht war einzig und allein dieses "Ende der Welt", womit die südliche Spitze Patagoniens, nämlich Feuerland, gemeint war. Das Buch gefiel mir nicht nur, weil es flüssig zu lesen war und weil es ausführlich und detailliert dieses Sehnsuchtsland meiner Kindheit beschrieb, sondern vor allem wegen des äußerst humorvollen Tonfalls seiner Sprache. Und das Humorvolle der Sprache war von zahlreichen Federzeichnungen des Autors ergänzt, mit denen das Buch reichlich bebildert war. Bei dem einen Buch war es zunächst geblieben. In der Zeit vor dem Internet war die Suche nach vergriffenen Büchern äußerst mühsam, wenn nicht sogar völlig dem Zufall überlassen. Erst seit kurzem habe ich diesen Autor wiederentdeckt. Inzwischen war ich in Argentinien und Feuerland und in der südlichsten Stadt der Welt, Ushuaia. War die Reise zur Zeit Mielches noch ein außergewöhnliches Abenteuer, so ist inzwischen der hunderttausendfache touristische Alltag eingetroffen. Nach dem Motto: "Wo immer du hinfährst, die anderen sind schon da!" erlebt man das Land in vorgekauter Form. Das kann ein wenig enttäuschend sein. Vieles von dem, was Mielke und sein Reisegefährt erlebten, existiert nicht mehr, hat sich in der Moderne kommerzialisiert oder aufgelöst. Und dennoch kann ich dieses Buch für alle Feuerland-Reisende nur heißest empfehlen. Und sei es nur, um ihrer Fantasie wieder eine größere Chance zu geben.
man hin und wieder in einer Gesellschaft trifft, wo man mit eingeladen ist, damit es nicht dreizehn bei Tische sind, sie meinte also, daß ich mich nun lange herumgetrieben hatte."
"In Chile und namentlich in Magellanes treibt man das Vieh nämlich nicht in kleine Kisten, die dann langsam an Bord gezogen und in den Raum gesenkt werden, während ein guter Onkel das Tier hinterm Ohr krault und "Sososo" sagt. Man wirft ein Tauende um die Hörner, befestigt einen Haken am Huf und lässt das SPill schnurren, bis das Tier senkrecht, mit allen Vieren zappelnd, in der Luft hängt, wobei das ganze Gewicht von den Halsmuskeln und den langen, spitzen Hörnern getragen wird. Dann schwingt der Ladebaum langsam über die Schiffsseite und das Tier wird in den Raum hinabgelassen, wo es aufbumst, daß das ganze Schiff zittert."
"Am häufigsten hat der Name Punta Arenas in hartgesottenen Seemannserzählungen figuriert, wen hat es nicht geschaudert, wenn Walfänger-Jack einen Rivalen in einer Kneipe am Hafen von Punta Arenas in den Rücken stieß, und wer vergisst je den Betrunkenen, dunkelhäutigen Banditen, der die Wirtschaft "The Seven Seas" betrieb, wo blonde, blauäugige skandinavische Seeleute zu unmenschlichen Leiden an Bord sinkender Robbenfängerschiffe shanghait wurden?""
"Im ganzen Feuerland, in den tiefen Tälern wie auf der weiten Pampa, auf den Straßen von Magellanes und auf den vielen Estancias auf der chilenischen wie auf der argentinischen Pampa denkt und träumt man in Wolle, und wenn Ihnen jemand erzählt, er habe hundert Hektar Land und achtzig Schafe, so meint er, daß er hunderttausend Hektar Land und achtzigtausend Schafe hat, die über das mächtige Gebiet verteilt sind - in diesem Teil der Welt ist man gewohnt, große Zahlen ebenso zu behandeln wie die großen Abenteuer."