Argentinien/Chile    REISEBERICHT VON BERND ZILLICH  
 
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Llanquihue Landkarte
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Chile regionale Karte Blatt 6 Villarica, Llanquihue y Chiloé ( Regionen IX, XIV und X) wasser- und reißfeste Straßenkarte 1:400.000
Chile regionale Karte Blatt 6 Villarica, Llanquihue y Chiloé
 
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23. März
Zum Paso Cardenal Samorè
Bereits zwei Mal habe ich von Bariloche aus einen Abstecher ins südliche Chile ge­wagt, Bild vergrössern und in beiden Fällen war der Ausflug – leider wört­lich – ins Was­ser gefallen. Es ist ja allgemein bekannt, dass auf der chilenischen Seite der Anden wesentlich mehr Niederschläge fallen als in Argentinien, aber man kann sich den Zeitpunkt einer Reise nicht immer aus­suchen. Umso ermutigend, also, dass diesmal die Wet­tervorhersage für die ganze Woche schönes Wetter verspricht.
Also fahre ich so früh, wie es meine Schlafgewohnheiten erlauben, los. Zunächst die Ruta 237 entlang in Richtung Westen, Bild vergrösserndann auf der Ruta 231 parallel zum Nahuel-Huapi-See weiter in Richtung Villa La Angostura, was insgesamt etwa 85 Kilometer aus­macht. Dort tanke ich noch einmal, versorge mich mit Proviant (nur mit einem Sandwich, denn ich werde es wegen des Einfuhrverbots für frische Nahrungsmittel noch vor der chi­le­nischen Grenze verzehren müssen), und dann geht es ein Dutzend Kilometer weiter bis zum Lago Espejo, schließlich die letz­ten 32 km in Richtung Westen zum Cardenal-Samoré-Pass (1314 m), auf dem die Gren­ze zwischen Argentinien und Chile verläuft. Kurz davor sieht man von der Straße aus den eindrucksvollen Basaltkegel des Cerro Pantojo in den Himmel ragen.
Bild vergrössernWährend der Fahrt komme ich nicht drum herum, an den im Juni 2011 erfolgten Ausbruch des chilenischen Vul­kans Puyehue zu denken. Damals wehte der Wind Vul­kan­asche bis in die hundert Kilometer östlich ge­le­gene Stadt Bariloche, und ganze Landstriche wur­den mit ei­ner dicken Ascheschicht bedeckt. Von Villa la An­gos­tura, die damals am meisten betroffen war, bis weit nach der chi­lenischen Grenze ist die Bild vergrössern Landschaft im­mer noch geprägt von der grauen Vulkanasche. Der Vulkan stieß große Mengen pyroklastischen Materials aus, vor allem Asche und Bimsstein. Damals hieß es zwar, dass eine dicke Schicht von  "ceniza" (Asche) auf der Ober­fläche des Nahuel-Huapi-Sees schwamm, tatsächlich war es aber der Bimsstein, der wegen seiner geringen Dichte nicht auf den Grund des Sees sank.
Chile
Je näher ich dem Vulkan Puyehue komme, desto düsterer wird das Er­schei­nungs­bild der Landschaft. Das satte Grün, das Bild vergrössernich von meinen früheren Reisen kenne, hat dem Schwarz der verätzten Bäume und dem Grau der Asche, die sich am Stra­ßen­rand oder auf dem Waldboden wie schmutziger Rest­schnee aufgehäuft hat, Platz gemacht. Völlig über­ra­schend ist es aber, dass von einem Kilometer zum an­deren diese Folgen des verheerenden Vulkanausbruchs wie von Zauberhand völlig verschwinden, und sich meinem Blick eine liebliche, weit­läufige grüne Wiesenlandschaft eröffnet, die an Südengland oder an das Vor­al­pen­land erinnert.
Bild vergrössernDer bedrückende Charak-Bild vergrössernter hat sich wie in Luft auf­ge­löst. Offensichtlich stand nach dem Vulkanausbruch der Wind nicht gut für Ar­gen­tinien, denn es war die­ses Land, das zweifelsohne das Meiste ab­be­kom­men hat.
Ich sehe Kuhweiden, Schafsherden, Felder, Traktoren und Bauernhöfe. Es ist sehr leicht zu verstehen, weshalb sich so viele Mitteleuropäer hier ansiedelten. In der Ge­gend leben heute noch besonders viele Deutschstämmige. Das Grün ist eine Wohltat für Auge und Gemüt. Bestens gelaunt strebe ich mein Ziel an - Puerto Varas.
Bild vergrössernIch fahre ausschließlich auf Landstraßen, streckenweise lande ich auch auf einen staubigen nicht asphaltierten schmalen Weg, es ist für mich eine intensivere Art, die Landschaft zu erkunden. An einer Stelle mache ich ei­nen Halt, um Brombeeren zu pflücken, anderswo bleibe ich stehen, um an einer Art Kiosk Bild vergrössernam Straßenrand ein paar Gläser Marmelade zu kaufen. Wegen des Reizes des Neuen entscheide ich mich für eine Marmelade aus Murta-Beeren. Die klei­nen, auch Murtilla genannten halb­kugeligen Beerenfrüchte der Chilenischen Gua­ve werden ausschließlich im Süden Chiles mit Aguar­dien­te (einer Spirituose) aufgesetzt und zu Marmelade gekocht.
Puerto Varas
Puerto Varas ist eine kleine, sehr auf Tourismus aus­gerichtete Stadt am Südufer des Lago Llanquihue (Llanquihue-See). Mit rund 877 km² ist dieser der zweit­größte See Chiles (zum Vergleich,Bild vergrössern die Fläche des Bo­den­sees be­trägt 536 km²). Von Puerto Varas aus bie­tet sich ein herr­licher Blick auf das gegenüberlie­gen­de Ufer und den beein­dru­cken­den Vulkan Osorno, der mit seinem 2652 m hohen Gipfel fast ein Ebenbild des Fuji­yama ist. Mit sei­ner an­nähernd kreisrunden Vul­kan-Ke­gel­form und der schnee­be­deckten Spitze ist er, wenn er nicht gerade von Wol­ken umhüllt ist – was sehr oft  vorkommt –, ein hin­reißender Blickfang.
Untergebracht bin ich im (übers Internet gebuchten) Hotel Casa Kalfu, wobei das Wort „kalfu“, das in der Sprache der indigenen Mapuche für „blau“ steht, bereits ein Teil der Beschreibung für das ganz in Holz nach der traditionellen Architektur der Region gebaute Haus liefert. Es liegt etwa hundert Meter von der Seepromenade entfernt.


Auf dieser verbringe ich dann die folgende Stunde, um die herrliche Aussicht zu ge­nießen, die mir bisher verwehrt wurde. Als ich mich schließlich entscheide, essen zu gehen, ist es bereits dunkel. Dennoch bin ich im Restaurant Ibis zunächst – die Sai­son ist fast zu Ende und Chilenen essen zu später Stunde – der einzige Gast. Wenn ich einen Augenblick die Preise vergesse – Chile ist viel teurer als Argentinien! – kann ich mich übers Abendessen kaum beklagen: „Trucha Arcoiris“ (Regen­bo­gen­fo­relle), "Ensalada Palta Tomate" (Tomaten-Avocado-Salat) und „Leche Asada“ (Flan) als Dessert – das alles von einem hervorragenden chilenischen Weißwein begleitet.