Argentinien 2004
Reisebericht Argentinien - Patagonien    
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ARGENTINIEN 2004
Buenos Aires
Tango in San Telmo
Puerto Madryn
Pinguine in Punta Tombo
Halbinsel Valdes
Ushuaia
Zur Seelöweninsel
Nationalpark Feuerland I
Estancia Harberton
Garibaldi-Pass
Zug am Ende der Welt
Nationalpark Feuerland II
Beagle-Kanal Titanic
El Calafate
Perito-Moreno-Gletscher
Ruta 40
Nach Bariloche
Auf den Cerro Otto
Nahuel-Huapi-See
Nationalpark Lanin
Das verzaubert Tal
Lago Mascardi
Abschied von Bariloche
Buenos Aires
Im Paranà-Delta
 
 ARGENTINIEN 2008
 ARGENTINIEN 2011
 ARGENTINIEN / CHILE 2014
 
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Trees in Patagonia
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Faszinierendes Patagonien
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  Buenos Aires    
 
25. März
Urlaub vom Reisen
Zum Frühstücken in die Innenstadt spazieren, die herrlich frische Morgenluft tief einatmen (aber nicht an den Hauptverkehrsstraßen, denn Abgasreinigung hat sich in Argentinien offensichtlich noch nicht durchgesetzt), stundenlang im Café del Turista sitzen und nichts Weiteres tun, als Leute und Ambiente beobachten, ein bisserl schreiben, die Gedanken schweifen lassen.
Zu dieser Morgenstunde sieht es so aus, als hätten viele Besucher das Café als Büro oder als Be­sprechungszimmer erkoren. Sie sitzen meist zu zweit an den Tischen, tadellos in Anzug und Kra­wat­te gekleidet, einen Ordner oder ein Stapel Papiere vor sich, und diskutieren eifrig aber doch gelassen bei einer Tasse Kaffee.
Ein angenehmer Schokoladeduft füllt den Raum. Es waren Österreicher, die mit der handwerklichen Schokoladeherstellung in Bariloche begannen, jetzt scheint jedes vierte Geschäft an der Haupt­stra­ße eine konfiteria zu sein mit herrlich aussehenden Torten, Stapeln von unverpackter Schokolade hinter den Theken und ganzen Wänden voller glitzernd verpackten Schokoladeeiern.
Schokoladeherstellung ist zum Exportschlager der Stadt geworden.
Hinter einer Theke steht ein Zuckerbäcker mit weißer Mütze und Mundschutz, der vor den Augen der Kunden Schokoladepralinen erstellt.
Vienesas, Stollen, Hotel Suiza, Calle Austria, ... Allgegenwärtig ist in Bariloche der Einfluss der aus dem deutschen Sprachraum stammenden Argentinier. Im Schaufensters eines Restaurants lese ich sogar ein Schild mit der Aufschrift: „Plato del dia (Tagesgericht): Goulasch con Spätzle“.
Kein Wunder, denn die Schweizer waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die frühesten europäischen Siedler in dieser Gegend. Ein Schweizer namens Frey soll der erste Siedler am Nahuel Huapi gewesen sein.
Die Überlieferung besagt, dass Frey eine Indianerin aus dem Stamm der Tehuelpe geheiratet hat­te, die ihm einen Sohn gebar. Diesen schickte er zur Ausbildung zu seinem Vater in die Schweiz, wo er zum Geometer ausgebildet wurde.
Jahre später, bei seiner Rückkehr, brachte er weitere Siedler direkt aus der Schweiz mit. Als die Gruppe endlich, vom Osten kommend, nach unglaublichen Mühen und Entbehrungen den See Nahuel Huapi erreichte und auf jenem Endmoränenwall stand, von dem aus man erstmals das herrliches Panorama des Seengebiets erblickt, da fielen sie auf die Knie und begrüßten aufjubelnd „das Land der Verheißung“.
26. März
Zum Lanin-Nationalpark
Anfangs geht es auf gut ausgebauter und kurvenreicher Asphaltstraße das Tal des Limay-Flusses entlang. Die Bergrücken rechts und links von uns sind kahl, bzw. nur von Gras bedeckt. Die im Gegenlicht leuchtenden Pampagrasbüschel setzen zauberhafte Akzente. Ab und zu schrecken wir vereinzelte Chimangos und Tordos (Drosseln) auf.
Etwa 30 Kilometer von Bariloche entfernt kommen wir an einem Reservat der Mapuche-Indianer vor-bei. Die Mapuche sind das einzige indigene Volk Amerikas, dem es über lange Zeit hinweg gelungen war, seine Unabhängigkeit zu wahren. Erst der zwischen 1876 und 1879 erfolgte „Wüs­ten­feldzug“ unter General Roca – dessen Denkmal auf dem Stadtplatz von Bariloche steht – führte zu einer entsetzlichen Verdrängung dieses Volkes (wie auch der Tehuelpe). In Argentinien beläuft sich heute die Mapuche-Bevölkerung nur noch auf ungefähr 250.000 Menschen. Das Gros der Mapuche lebt in einfachen Verhältnissen. Männer arbeiten häufig als Gelegenheitsarbeiter, z. B. in der Landwirtschaft, Frauen oft als Hausangestellte in Häusern der Oberschicht. Der Name Bariloche kommt übrigens vom Mapuche-Wort Vuriloche, was "Menschen hinter dem Berg“ bedeutet.
Wenn man von den kleineren Kiefernwäldchen, die auf die Anwesenheit einer estancia deuten, ab­sieht, ist es nur in unmittelbarer Nähe des Flussbettes grün. An manchen Stellen wird aber diese Kargheit von malerischen Reihen von Säulenpappeln aufgelockert, deren Laub bereits begonnen hat, sich gelb zu verfärben.
Dort wo das Tal zur Schlucht wird, abwechslungsreich und wildromantisch, da ist das Valle Encanta-do, das verzauberte Tal, erreicht. Diese Bezeichnung kommt davon, dass hier die Straße von meh­reren hochragenden, bizarrst gestalteten Felsen gesäumt ist, aus denen die Fantasie menschen- und tierähnliche Gebilde wahrnehmen kann.
Nach der confluencia, d.h. der Stelle, wo der Traful-Fluss in den Rio Limay mündet, fahren wir eine längere Strecke entlang eines Stausees, während die Landschaft immer trockener und flacher wird. Bald sieht es aus wie in einer Wildwest-Landschaft, stellenweise stark wüstenartig, wobei der leich­te Schleier vor der Sonne eine beeindruckende High-Noon-Atmosphäre erzeugt.
Als wir am späten Nachmittag in Junín de Los Andes ankommen, ist die Luft wieder stechend klar und die Herbstfarben der Laubbäume leuchten so intensiv, das es mich fast berauscht.
Der Ort, ein verschlafenes Städtchen mit flachen Gebäuden im Westernstadt-Stil, das mich auf An­hieb anspricht, bildet – zusammen mit dem benachbarten San Martín de los Andes – die Ein­gangs­pfor­te zum rund 3.800 km2 großen Nationalpark Lanín, unserem morgigen Ziel.
Dreimal hin- und herfahren und wir haben alles gesehen und unsere Unterkunft, die Hosteria Chimehuin, gefunden. Wildromantisch liegt sie direkt am gleichnamigen Bach.
27. März
Zauber des Morgens
Aufstehen, hinausgehen und direkt auf einen Bach und eine Auenlandschaft sehen können, in der trautes Grün und hochgewachsene, dichtbelaubte Weiden der Seele ein Heimatgefühl geben.
Wir frühstücken ausgiebig in einem gemütlichen, mit zahlreichen Zimmerpflanzen geschmückten Raum. Mir fällt sofort auf, dass die in hellem Holz getäfelten Wände fast ausschließlich mit Fotos von Anglern und ihren Trophäen behangen sind. Die kalten und klaren Seen, Flüsse und Bäche der patagonischen Nationalparks sind wegen der guten Angelmöglichkeiten bekannt. Hunderttausende Angler kommen jedes Jahr während der Angelsaison hierher. Nur sie alleine bewegen eine Summe von bis zu acht Millionen Pesos im Verkauf von Lizenzen, und Ausgaben für Unterkunft, Essen, Artikel für Fischfang, Treibstoff und Transport. Das Sportangeln ist in der Gegend inzwischen eine ebenso wichtigen Alternative im Sommer wie das Skifahren im Winter.
Zum Lanín und dem Araukarienwald
Schluss der Gemütlichkeit. Von da an fahren (bzw. rumpeln) wir nur noch auf staubiger Schotter­straße – aber auf landschaftlich recht schöner Strecke – am Rio Malleo entlang in Richtung chile­nischer Grenze und zum Eingang des Nationalparks.
Höhepunkte sind der Wald von mächtigen Araukarien und der schneegekrönte Gipfel des erlo­sche­nen, 3.776 m hohen Vulkans Lanín. Er wurde auch der „schönste Berg Argentiniens“ genannt.
Die Araukarien sind urtümliche Nadelhölzer mit pyramidenförmiger, markanter Silhouette, die ihr Aus-sehen seit der Kreidezeit nur wenig verändert haben. Fossile Funde verwandter Arten datieren bis zu einem Alter von 50 Millionen Jahren, womit die Araucariaceae eine der ältesten Baum­fa­mi­lien der Welt ist. Von ihren Früchten könnten sich einst die Dinosaurier ernährt haben.
Die Blätter der Araukarie sind hart und spitz und stehen ohne Stiel dicht an dicht wie Schuppen an den Zweigen, was ihnen auch den Namen „Affenschwanz“ eingetragen hat.
Aber die treffendste Beschreibung ist wohl jene des Fürsten Schakowski, eines russischen Adeligen und als Entomologe arbeitenden Angestellten der Parques Nationales, der (so erzählt Tante Helga) in etwas gebrochenen Deutsch mit tiefer Bass-Stimme von der Araukarie zu sagen pflegte: „Ist sich Kreuzung zwischen Kaktus und Weihnachtsbaum“.
An einer Stelle angelangt, wo ich besonders prachtvolle Exemplare der Gattung erblicke, steige ich aus, um die herrliche Szenerie zu genießen, zu fotografieren und – wieder einmal – einige Zeit inmit-ten einer wundervoll ursprünglichen Natur zu genießen. Währenddessen wartet Tante Helga mit Engelsgeduld – die muss man aufbringen, wenn man mit einem Fotografen unterwegs ist – auf mich im Auto.
Zuletzt fahren wir noch die wenigen Kilometer bis zur Grenze, wo ich es mir nicht nehmen lasse, meine Füße kurz auf Chilenischen Boden zu Setzen.
Rückfahrt
Aber es ist höchste Zeit, sich wieder auf die Rückfahrt zu machen. Die Landschaft kenne ich ja bereits. Anfangs überall dasselbe trostlos kahle Bild. Vereinzelt stehende, trockene, harte Gras­büschel, in mehr oder weniger großen Mengen und ein paar Dornbusche dazwischen. Das ist so ziemlich alles, was die Vegetation betrifft. Man fährt durch ein menschenleeres Wüstengebiet. Am Wegesrand liegen weißer Sand, frisch geworfene Lavamassen.
Einzelne Gebirgszüge dazwischen, Ketten von Tafelbergen und tief eingeschnittene cañadones geben der Landschaft etwas Abwechslung.
Diesmal nehme ich mir etwas mehr Zeit für das "verzauberte Tal". Die Berge fallen steil ab und sind mit den erwähnten bizarren Felsspitzen bespickt. Diese wurden durch die ständige Erosion zu Formen gestaltet, die an Lebewesen erinnern. Nach jeder Kurve steht man vor einem neuen, tief beeindruckenden Bild. Gespenstisch ragen die bizarren Felsgestalten wie der "Kleine Bär“, die „Siamesischen Zwillinge“, der „Löwenkopf“, der „Finger Gottes“, der "Indianer“ oder der „Gaucho“ aus dem cañonartigen Tal.
Sobald wir wieder den Nahuel Huapi See erreichen, ist das Bild der Landschaft aber total aus­ge­wech­selt. An Stelle der vegetationslosen Öde bietet sich plötzlich eine grüne Landschaft den Augen, darin eingebettet der blaugrüne See, ein Bild wie in der entfernten Schweiz.

Araukarien und Lanin Araukarie Araukarien Landschaft in der Provinz Neuquen Unendliche Weiten Im valle encantado Im valle encantado Im valle encantado Im valle encantado