Argentinien 2004
Reisebericht Argentinien - Patagonien    
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ARGENTINIEN 2004
Buenos Aires
Tango in San Telmo
Puerto Madryn
Pinguine in Punta Tombo
Halbinsel Valdes
Ushuaia
Zur Seelöweninsel
Nationalpark Feuerland I
Estancia Harberton
Garibaldi-Pass
Zug am Ende der Welt
Nationalpark Feuerland II
Beagle-Kanal Titanic
El Calafate
Perito-Moreno-Gletscher
Ruta 40
Nach Bariloche
Auf den Cerro Otto
Nahuel-Huapi-See
Nationalpark Lanin
Das verzaubert Tal
Lago Mascardi
Abschied von Bariloche
Buenos Aires
Im Paranà-Delta
 
 ARGENTINIEN 2008
 ARGENTINIEN 2011
 ARGENTINIEN / CHILE 2014
 
Buenos Aires
Buenos Aires
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Buenos Aires
Leben in Buenos Aires
von Edward Shaw,
Reto Guntli

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Tango Lesson
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Tango
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Buenos Aires

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Tango-Leidenschaft
Tango. Leidenschaft
in Buenos Aires

von Tina Deininger, Gerhard Jaugstetter
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  Buenos Aires    
 
Spanisch-Unterricht, lection dos
"Una cerveza por favor y un sandwich con jamon, queso, lechuga y tomate" - eine leichte Übung. Ein Bier und ein Sandwich mit Schinken, Käse, Salat und Tomaten kann ich noch problemlos bestellen. Aber als ich nach der gewünschten Brotart gefragt werde, wird's schon schwieriger. Pan frances oder negro ist noch leicht zu übersetzen. Auch figaza araba kann ich noch ableiten: Es muss wohl ein Fladenbrot sein oder etwas, was an die italienische focaccia erinnert. Aber miga? Ich kann nur vermuten, aus dem Italienischen herleitend, dass es sich um Weißbrotscheiben ohne Rinde handle. Bei pebete muss ich kapitulieren. Im Taschenwörterbuch kann ich diesen Begriff nicht finden.
Die Härteprüfung war allerdings die Taxifahrt. Musste ich doch dem Fahrer unbedingt erklären, woher ich komme (FC Bayern München war dann der Schlüssel, der mich einzuordnen half), ob ich den argentinischen Fußballer De Michelli kenne, wie das Wetter in Deutschland sei, wo ich hinfahren möchte, und ob es mir in Buenos Aires gefalle. Als ich erwähnte, dass ich nach Bariloche wollte, konterte er prompt, dass dort die Ehefrau des vermeintlichen Naziverbrechers Priebke (der inzwischen in Italien im Gefängnis sitzt) lebe.
Im Viertel Palermo Vieja
Es hat sich eingetrübt. Ein kurzer Regenguss hat mich in dieses kleine Café verschlagen. Durch das offene Fenster kann ich direkt auf ein junges Paar blicken, das draußen sitzt. Mit gelangweiltem Blick quetschen sie Mayonnaise aus der Tube auf ihren Gemüsekuchen. Als Kulisse dienen das Treiben eines kleinen Flohmarkts, junge Leute, flanierende Touristen.
Als später der Himmel noch grauer und düsterer geworden ist, breche ich die Zelte ab. Auf dem Weg zur zehn quadras (Häuserblocks) entfernten Plaza Italia frischt der Wind noch mehr auf, und bald spüre ich schon die ersten Regentropfen. Vom Charme dieses im Reiseführer in hohen Tönen gelobten Viertels bekomme ich deshalb recht wenig zu spüren: Kein Zauberlicht, dass den abbröckelnden Putz von pastellgetünchten Wänden zum Glühen bringt, keine feuerroten Blüten uralter Bäume in verzauberten Gärten, kein prickelndes Straßenleben.
Einzelne barocke Fassaden mit schmiedeeisernen Balkonen und Stuckdekoration lassen zwar ahnen, wie es einmal gewesen sein könnte, aber die bis zu zehn Stockwerke hohen, moderneren Gebäude dazwischen bestimmen letztlich den Charakter des Ganzen. Als ich bei den weitläufigen Parks in der Nähe der Plaza Italia ankomme, ist der Regen dichter geworden, meine Begeisterung kleiner, und ich beeile mich, zu meiner nächsten Spanisch-Unterrichtstunde zu kommen, in anderen Worten, ein Taxi zu finden.
Spanisch-Unterricht, lection tres
Situationsbedingt ist diesmal das Wetter das Gesprächsthema. Unter anderem äußert der Fahrer Verwunderung darüber, dass diese Stadt, dessen Name ja wörtlich "Gute Lüfte" bedeutet, in Wahrheit heiß, feucht und sehr häufig in einem Dauertief gefangen ist.
Rückblick
Alles in allem war es ein gemächlicher Tag. Da ich wegen meiner Rückenschmerzen kaum laufen konnte, leistete ich mir ein paar Mal ein Taxi (was kaum mehr als eine Fahrt mit der Münchner U-Bahn kostet), verweilte mehrmals in Cafés und verbrachte müßige Stunden beim Schreiben, Nachdenken und Leute Beobachten.
Dass ich bei dieser allerersten Begegnung mit Buenos Aires besonders enthusiastisch gewesen sei, kann ich nicht behaupten: zuviel architektonisches Durcheinander, zu viele Hochhäuser, zuviel Ähnlichkeit mit dem großen nordamerikanischen "Vetter". Und die von den Reiseführern aufgeführten Viertel mit "südamerikanischem" Flair sind mir noch verborgen geblieben.
Im Gegensatz dazu waren es die Menschen, die mich mit ihrer zurückhaltenden, edlen Höflichkeit überrascht haben. Im Hotel, auf der Straße, in den Cafes und in allen Restaurants, in denen ich gegessen habe, immer war man mir gegenüber äußerst zuvorkommend.
7. März
Ein Sonntagnachmittag in San Telmo
Im Antiquitäten-Viertel San Telmo reicht der Platz für den sonntäglichen Antikmarkt schon lange nicht mehr aus. Rund um die Plaza Dorrego gibt es Aberdutzende von Läden. Stundenlang könnte man hier herumwühlen. Das Viertel wird von der "Vereinigung der Antiquitätenhändler und Freunde von San Telmo" als der größte Kunst- und Antiquitätenmarkt Südamerikas bezeichnet.
Der Platz und die meisten Seitenstraßen verwandeln sich am Sonntag in einen einzigen Verkaufsstand. Hinzu kommen Gaukler, Straßenmusikanten und Tangotänzer, die unter freiem Himmel auftreten und um die Aufmerksamkeit der Passanten konkurrieren.
Leonardo und Uliana sind bereits ein Schauspiel, bevor sie auch nur einen einzigen Tango-Schritt vorgeführt haben. Dem Mann kann man, mit ein wenig Beobachtungsgabe, die indianische Abstammung vom Gesicht ablesen: Er hat kohlrabenschwarze, straff nach hinten gezogene und zu einem Pferdeschwanz zusammengebundene Haare und kräftige, etwas angeschrägte Augenbrauen, die ihm einen etwas traurigen Blick verleihen. Im krassen Gegensatz dazu hat seine Partnerin überhaupt nichts von einer latina, sie ist ein blonder, sehr mädchenhafter, stets lächelnder Typ, das Gegenteil von "getanzter Traurigkeit", wie Tango einmal definiert wurde. Sie strahlt eine derartige Lebensfreude aus, dass es Herz erfrischend ist. Sie ist, so erfahre ich, Ukrainerin und lebt erst seit wenigen Jahren in Buenos Aires.
Dann tanzen sie. Leichtfüßig, gekonnt, voller Anmut und Sinnlichkeit, während der durchdringende Ton des Bandoneons aus dem Lautsprecher ertönt und die ganze plaza mit Gefühlen auffüllt. Leonardo mit ernster Miene, voller Konzentration, Uliana mit einem ewigen Lächeln auf den Lippen. Sie schaut zu ihm hoch wie eine Verliebte.
Zu sehen, wie die beiden Oberkörper in intimster Nähe bleiben, während gleichzeitig die Beine, wie vom Rest der Körpers losgelöst, ihr glanzvolles Können demonstrieren, lässt Begeisterung und Bewunderung in mir aufkommen - und einen Anflug erotischer Sehnsüchte.
Unter ihrem roten, den Körper betonenden Tangokleid trägt Uliana ihren jugendlich strammen Busen auf eine zugleich naive als auch provozierende Art weit nach vorne gestreckt, als täte sie es mit voller Absicht, wie der Läufer an der Ziellinie, der noch ein paar Millimeter dazugewinnen will.
Von Seiten des Publikums herrscht gespannte Aufmerksamkeit.
Obwohl (oder gerade weil) ich mit großer Anspannung fotografiere, entgehen mir weder das meisterhafte Können der Beiden noch die Vielgestaltigkeit ihrer Tanzschritte. Ich kann mich kaum daran satt sehen.
Es sind Folgen kurzer und schneller Schritte, leichte Drehbewegungen, bei denen die Frau sanft hin- und hergedreht wird, gestoppte Vor- und Seitschritte, Gewichtsverlagerungen, balancierende, wiegende Bewegungen, abruptes Abbrechen einer gemeinsamen Bewegung, plötzliches Anhalten oder sogenannte "Liebkosungen", bei denen des Tänzers Bein oder Fuß das Bein der Partnerin berührt - oder fast berührt. Und nie lösen sich die Körper aus der Umarmung.
Als sie schließlich in die Endpose gehen, mit dem der Tango abgeschlossen wird, ist der Applaus gewaltig. So sehr gehen die Musik und der Tanz den Zuschauern unter die Haut. Leonardo und Uliana haben, jeder auf seine Weise, etwas sehr Kommunikatives. Zwischen den Tanzauftritten gibt es einen ständigen, wenn auch etwas einstudiert wirkenden Dialog mit dem Publikum, der über die Erlauterungen der unterschiedlichen Rhythmen (Milonga, Tango, etc.) weit hinausgeht. Spätestens nach der dritten Runde, die Uliana und Leonardo mit dem Hut nach Spenden herum­ge­hen, haben sie mich, den Zuschauer aus "Austria", der jedes Mal aus einem andern angulo (Winkel) fotografiert, bereits als Dauergast identifiziert. Schließlich muss ich Ihre direccion (Adresse) aufschreiben und den Versand von Fotos versprechen.
Ich könnte stundenlang dieser leidenschaftlichen, gefühlsgeladenen Musik zuhören und ebenso lange und mit der Hingebung eines Hypnotisierten die sehnsüchtig-schmachtende Tanzschritte, die alles durchdringenden Blicke und die kontrollierten erotischen Verschlingungen und Gesten der Tänzer verfolgen.
Für die Einheimischen sind diese Musik und dieser Tanz Ausdruck eines ganz eigenen Lebens­ge­fühls, aber für mich? Ich bin nicht gerade ein vorzüglicher Tänzer und ebenso wenig habe eine irgendwie geartete "Beziehung" zu diesem Tanz. Ich könnte seinen Rhythmus nicht einmal von dem einer Milonga unterscheiden und weiß gerade noch, wie man Piazzolla, den Namen des großen Akkordeonspielers, schreibt. Immerhin ist die Ziehharmonika (welche in Argentinien nach dem Krefelder Musiklehrer und Musikhändler Heinrich Band Bandoneon genannt wird) mein Lieblingsinstrument, sodass ich automatisch ins Schwärmen komme, wenn ich den Tönen dieses Instruments lausche. Ich schmelze vor mich hin, wenn ich die Filmmusik mancher Filme, die in Paris spielen, höre, oder stehe wie in Trance vor einem begnadeten Straßenmusikanten, der auf dem Instrument eine Fuge von Bach spielt.
Im "Barrio" La Boca
Die Spätnachmittagssonne, die ab und zu durchscheint, lässt das pittoreske Hafenviertel in tausend Farben funkeln: die urwüchsigen, bunten Häuser und die schiefen Gehsteige, die von Gras überwucherten Schienen, die rostigen Laternen und sogar die dämmrigen Hinterhöfe. La Boca, die "Mündung", ist eine improvisierte Stadt. Hier kamen ab 1870 Auswanderer aus ganz Europa an. Aus Genua kamen sie, aus Neapel und Hamburg. An der Mündung des Flüsschen Riachuelo in den Rio de la Plata endete ihre monatelange Überfahrt nach Argentinien, ins ersehnte Land.
Zusammengeflickt aus allem, was sich in Reichweite fand, bauten sie ihre Häuser. Aus Mangel an anderen Baustoffen entstanden sie aus Wellblech und Holz statt aus Mauerwerk. Das Rostbraun wurde übertüncht mit unkonventionellen, bunten Farben, Lackresten von den Docks.
Um kleine, enge Höfe scharen sich auch heute noch diese conventillos genannten Häuser und in der Luft liegt immer noch ein Hauch der alten Immigran­tenatmosphäre. Der Tango, musikgewordene Nostalgie, wurde in La Bocas rauchigen Kneipen geboren. Heute stellen Künstler ihre Bilder aus. Jongleure lassen die Bälle tanzen. Kameras klicken. Ein paar Melodiefetzen dringen aus einer Kneipe: die malerischen Ingredienzien eines Bohemien­viertels sind alle da!
Was muss man erleben? El Caminito, ein Gässchen, dessen Häuser nach der Idee des Künstlers Quinquela Martín bunt bemalt wurden; Die Vuelta de Rocha, eine Promenade entlang des Riachuelos. Vor allem genieße ich aber die Atmosphäre dieses Viertels. Anfangs spaziere ich wiederholte Male im barrio auf und ab, später ziehe ich es vor, in einer Bar einen kleinen Imbiss zu mir zu nehmen und von meinem Stuhl im Freien einer kleinen Tango-Vorstellung zuzusehen.
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