Argentinien - Patagonien - ein Reisebericht von Bernd Zillich      
 
                   
     
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Buenos Aires
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Gebrauchsanweisung für Argentinien
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Letzter Zug nach Buenos Aires
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Samstag, 17 Dezember
Delta del Parana
Daniela, Roberto und ich – Eva legt einen Ruhetag ein – wollen zum etwa 30 Kilo­me­ter vom Zentrum der Metropole Buenos Aires entfernt gelegenen Delta des Flusses Paranà. Man fährt vom Bahnhof Retiro aus und braucht fast eine Stunde nach Tigre, dem Städt­chen unmittelbar am Delta. Die Stunde gestaltet sich keineswegs lang­wei­lig: Nicht nur, dass wir den sich nach und nach verändernden Charakter der Stadt erleben können, von einer großen Hochhäuserdichte in Stadtnähe bis hin zu men­schen­freund­li­cher gestalteten Wohngegenden. Auch im Zug ist immer etwas los. Ein­mal unterhält ein Charango-Spieler die Passagiere mit seinem kleinen Zupf­in­stru­ment, später ist es eine weitere Musikgruppe. Außerdem bieten fast un­un­ter­bro­chen verschiedene Ver­käu­fer Kugelschreiber, Aufklebebilder oder andere Waren an.
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Tigre, wo der Einstieg ins Delta beginnt, war früher ein Badeort der oberen Gesell­schafts­schicht, davon zeugen auch heute noch eine Reihe von eleganten Villen im neokolonialen Stil, die entlang der von Bäumen gesäumten Straßen stehen.
Der Río Paraná mündet in den Río de la Plata und bildet mit diesem eines der größten Süßwasserdeltas der Welt. Die Deltaregion unmittelbar in der Nähe von Tigre ist zum Naherholungsgebiet von Buenos Aires geworden. Dort findet man auf zahlreichen kleinen Inseln Wochenendhäuser, Hotels und Herbergen aller Klassen. Die typischen Häuser stehen auf Pfählen, damit sie vor dem Auf und Ab des Wasserstandes ge­schützt werden.
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Man könnte eine Besichtigung auch per Linienboot durchführen, aber wir buchen lie­ber ein Ausflugsboot, der Touristen eine feste Tour den Hauptkanal entlang durch das Delta schippert, mit Ab­ste­chern in einige interessante Nebenkanäle. Aber das ist nur die sogenannte „Primera Sección", in der sich die meisten Ausflügler und Be­su­cher tummeln. Hier findet man noch Supermärkte und Pizza­ser­vi­ces. Das gesamte Delta streckt sich über 17.500 km² aus und das „wahre“ Delta beginnt erst ein bis zwei Bootsstunden von Tigre entfernt. Dort beginnt die Welt der Schwertlilien, der weißen Rei­her, der Sumpf­hirsche, Wasserschlangen und Moskitos.
Das Wasser des Paraná ist durch den hohen Gehalt von lehmigem Schlamm trüb und braun. Das Delta beginnt etwa 100 Kilometer, bevor der Paraná mit dem Río Uruguay den breiten Río de la Plata bildet. Unzählig sind die Fluss­arme, die die subtropische Pflanzenwelt durchziehen. Sie bilden ein Labyrinth aus Wasser und Inseln. Es gibt auch Menschen, die im Delta völlig ab­seits vom Tourismus arbeiten. Etwa 90 Prozent der Korbweidenproduktion für das argen­tinische Kunsthandwerk kommt aus dieser „Segunda Sección".
Sonntag, 18. Dezember
Manteros
In der Avenida Florida, der Haupteinkaufsstraße im Mi­cro­centro, zwingen mich plötz­liche Regengüsse öfters, Schutz in einem Haus­ein­gang zu suchen. Dabei beobachte ich, wie die fliegenden Händler immer wie­der ihre Decken auf den Boden ausbreiten und ihre Waren darauf ordentlich ausbreiten, nur um beim nächsten Guss alles rasch mit einer Plastikfolie abzudecken oder alles ir­gend­wo­hin ins Tro­ckene zu schleppen. Und das immer und immer wieder. Die können ei­nem leid tun! Meh­re­re Ki­lo­meter entlang reihen sich diese Halblegalen – erlaubt wäre nur, Kunsthandwerk zu ver­kau­fen – „manteros“ (von „man­to“ = De­cke) auf dem Bür­ger­steig, sehr zum Verdruss der La­den­inhaber der Einkaufsmeile, mit denen es öfters zum Streit kommt.
Riten der Universität
Gegen Abend werden wir in der Nähe unseres Hotels Zeugen eines äußerst un­ge­wöhn­lichen Geschehens. Vor dem Ge­bäude der wirtschaftswissenschaftlichen Fa­kul­tät hat sich eine lärmende Menschenmenge gesammelt, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Neugierig und mit knipsbereiter Kamera in der Hand nähern wir uns dem Men­schen­auf­lauf. Was wir erleben, und uns bald von einem jungen Mann als lang­jährige Tradition beim Studiumabschluss der Universitätsstudenten erklärt be­kom­men, verblüfft uns.
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In den verschiedenen Universitäten des Landes ist es Sitte, dass Freunde und Fa­mi­lien­angehörige der Studenten am Tag, an dem diese ihre letzte Prüfung absolvieren, vor den Toren der Fakultät auf sie warten, um sie mit Eiern, Tomaten, Mehl sowie mit allerlei Schmutz- und Farbstoffen zu bewerfen. Die armen Hochschulabgänger müs­sen diese nicht übermäßig appetitliche Prozedur mit unendlicher Geduld und guter Mie­ne zum bösen Spiel über sich ergehen lassen.
Diese Schikane seitens der Freunde und Verwandten, die Elemente von Misshandlung und Demütigung enthält, soll – so die Deutung dieses Rituals – als eine Art Härte­prü­fung den „Stauts quo ante“ der Studenten zerstören, mit dem Ziel, sie auf das neue Leben und die neuen Veranworten vorzubereiten.
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In letzter Zeit hat es an manchen Universitäten Exzesse dieses Brauchs gegeben, die zur Verschmutzung von Teilen der Universitätsräume führten und so Stimmen auf­kamen, diese Sitte zu verbieten.

Montag, 19 Dezember
Volksheilige
Auf meinen Reisen durch Argentinien waren mir öfters kleine Schreine am Stra­ßen­rand aufgefallen. Vor manchen wehten rote Fahnen im Wind, vor anderen stapelten sich Berge von Wasserflaschen. Diese Schreine waren den beiden wichtigsten Volks­hei­ligen gewidmet, Gauchito Gil und Difunta Correa. Besonders auf dem Land sind diese von der Kirche keineswegs anerkannten Heiligen ein Bestandteil der Volks­fröm­mig­keit vieler Argentinier, die ihnen allerlei Wunder andichten.
Der beliebteste Volksheilige ist ohne Zweifel der „Gauchito", der „kleine Gaucho". Er war eine Art „Robin Hood“ und Kriegsverweigerer und wurde und am 8. Januar 1878 in Mercedes (Cor­rientes) hingerichtet. Vor seinem Tod hatte Gil dem Henker vo­raus­ge­sagt, dass sein Sohn sehr krank sei, aber gesund würde, wenn er, der Henker, zu ihm, dem Gau­chito, beten würde. So geschah es auch, und als der Henker zum Gau­chito betete, wurde sein Sohn tatsächlich gesund! Daraufhin baute der Mann zum Dank ein Schrein und erzählte allen Leuten vom wundersamen Gauchito Gil.
Difunta Correa (die verstorbene Correa) war eine Frau, die 1841 auf der Suche nach ihrem Mann in der Wüste verdurstete. Tage später fand eine Gruppe von Maul­tier­trei­bern die Correa tot in der Wüste. Das Kind lag saugend an ihrer Brust und hatte wie durch ein Wunder überlebt.
Neben diesen sehr bekannten Volksheiligen aus dem 19. Jahrhundert gab es auch in neuerer Zeit ähnliche „Heiligsprechungen“ durch das Volk. Gilda (eigentlich Miriam Alejandra Bianchi) war eine in Argentinien und Südamerika sehr populäre Cumbia-Sängerin, die am 7. September 1996 bei einem Autounfall ums Leben kam. Neben dem Schrein, der am Ort ihres Unfalls errichtet wurde, findet man auch an anderen Stellen in Argentinien kleinere Schreine Gildas. Heute wird sie in Argentinien von treuen Fans wie eine Heilige verehrt und angebetet. Auch ihr wurden zahlreiche Wunder zugeschrieben.
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Einer der wenigen von der Kirche seliggesprochenen Heiligen ist Ceferino Namuncurà (1886 - 1905). Er war der Sohn des legendären Indianer-Häuptlings Manuel Namun­curá vom Stamm der Mapuche und seiner weißen Frau Rosario Burgos. Namuncurá hatte auf seinen jahrelangen Kampf gegen den Staat Argentinien aufgegeben und seinen Sohn taufen lassen. Ceferino sollte zum Salesianer Priester ausgebildet wer­den und kam im Alter von elf Jahren ans Kolleg Pío IX. in Buenos Aires. Doch er war bereits an Tuberkulose erkrankt, einer Krankheit, an der er 1905 bereits mit 18 Jah­ren starb. In seinem kurzem Leben hob er sich hervor durch großen Lerneifer und Nächstenliebe. Er verkörperte mit seinem Leiden die Ängste und die Sehnsüchte seines Volkes. Ceferino Namuncurà wurde im Juli 2001 zum ersten selig­ge­spro­che­nen Ureinwohner Argentiniens. Das für die Seligsprechung notwendige Wunder war die Krebsheilung eines argentinisches Mädchen, das auf die Fürsprache von Ceferino geschehen sein soll.

Einer der skurrilsten vom Volk angebeteten Heiligen ist San La Muerte (Sankt Tod), ein als Skelett dargestellter Volksheiliger, der vor allem im Nordosten Argentiniens verehrt wird. Er gilt als eine Art Schutzpatron der Verbrecher. In Buenos Aires wurde vor einiger Zeit ein junger Mann festgenommen, der San La Muerte angeblich ver­spro­chen hatte, einmal in der Woche einen Menschen zu töten, wenn ihn der „Heilige“ dafür beschützen würde. Ihm wurden bis jetzt sechs Morde konkret vorgeworfen. Eine Legende besagt, dass derjenige, der eine kleine Figur von „San La Muerte“ bei sich trägt, schmerzfrei sterben wird.

Dienstag, 20 Dezember
Stadt der guten Lüften
Man kann jedem Argentinienreisenden nur empfehlen, Buenos Aires in der hei­ßen Jahreszeit zu meiden, wenn in der Stadt der „guten Lüfte“ hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit einen Aufenthalt unerträglich machen.
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Der Name „Buenos Aires“ hat einen ganz anderen Ursprung, als man vermuten wür­de. Papst Fran­ziskus erklärte die Herkunft des Namens seiner Heimatstadt fol­gen­der­maßen: „Als Bue­nos Aires gegründet wurde, wollte sein Gründer Pedro Mendoza sie 'Stadt der Heiligen Drei­ei­nig­keit' nennen. Aber die Seeleute, die ihn ins Land gebracht hatten, waren Sarden und wollten, dass die Stadt 'Stadt der Madonna von Bonaria' genannt werde. Die Madonna von Bonaria ist die Schutzpatronin Sardiniens und Be­schüt­zerin der See­leu­te. Man stritt darüber und einigte sich schließlich auf den Namen 'Stadt der Heiligen Dreieinigkeit und Hafen unserer Frau von Bonaria'. Weil aber der Name zu lang war, blieb nur das letzte Wort 'Bonaria', auf Spanisch „Buenos Aires".
Vor einigen Tagen konnte man in "La Nacion“ lesen, dass tatsächlich etwas Wahres an den „Guten Lüften“ sein müsse, denn von allen lateinamerikanischen Großstädten schneide Buenos Aires punkto Luftreinheit am Besten ab. Wenn man die Abgase der Unmengen von Bussen, Autos und Motorrädern der Stadt einatmet, die überall die Straßen verstopfen, fällt es schwer, daran zu glauben.
Und weil ich gerade von Luftverschmutzung spreche: Während ich schreibe, wird im Fernsehen gerade berichtet, dass auf der Plaza de Mayo im Rahmen irgendeines Pro­tes­tes ein Weihnachtsbaum angezündet worden sei, dass dieser lichterloh brenne und einen schwarzen Rauch hinauf in den sommerlichen Himmel puste. Bei 32 Grad Hitze muss ich zugeben: Ich sehne mich nach Kälte und Schnee.