Argentinien 2008
Reisebericht von Bernd Zillich
   
 
                   
   
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Dienstag, 28. Oktober
Im Aeroparque

Der Tanz der Wellen auf der Oberfläche des gelbbraunen Rio de la Plata übt eine fast hypnotische Wirkung auf mich aus. Vom oberen Stockwerk des Flughafengebäudes kann ich durch die breite Fensterfront den eindrucksvollen Blick auf den Fluss, der einem Meer gleicht, genießen. Eine solche Szene weckt bei mir fast reflexartig un­de­finierte Sehnsüchte nach all dem, was sich seit meiner Kindheit durch Erzählungen, Lektü­ren, Filme und meine eigenen Reisen in mein Ge­dächt­nis ein­ge­brannt hat, und dort nur auf einen Auslöser war­tet, um in mein Bewusstsein zu­rück­zukehren. Plötzlich habe ich den Eindruck, ich würde einen Film ansehen, bei dem das tau­send­fache Glitzern der Sonnen­spie­ge­lungen im Was­ser die Über­blen­dung zu einer Szene einleitet, die sich aus­schließ­lich in meiner Fantasie abspielt. In dieser Szene sitze ich mit Schweiß­perlen auf der Stirn und feuchtem, am Körper klebendem Hemd zusammen mit Bud Spencer und ein paar wei­te­ren finster dreinblickenden Gestalten an einem Pokertisch. Die Luft ist rauchgeschwängert, stickig und un­durch­sichtig, trotz der zum Fluss hin offenen Tür und der großen Fenster dieses Gebäudes, das kaum mehr als eine Bretter­bude ist. Hinter der Theke überrascht es mich nicht wenig, den Kellner des Bar Britanico wieder zu erkennen. Auf seiner Schulter sitzt fast regungslos ein bunt­gefiederter Papagei, der missgelaunt vor sich hin krächzt.

Zurück in der Wirklichkeit

Als ich aus dem Flughafengebäude von Puerto Iguazú ins Freie trete, ist es, als würde mich ein türkisches Bad empfangen. Und hätte ich trotz dieser dampfenden Feuchtigkeit immer noch nicht be­grif­fen, dass ich in den Tropen angekommen bin, müsste mir die pechschwarze Wolkenwand, die sich innerhalb kürzester Zeit zusammenballt, die allerletzte Ungewissheit nehmen. Es geht Schlag auf Schlag. Zuerst werden Bäume, Sträucher und Palmen geschüttelt und gerüttelt, was das Zeug hält, dann zieht sich mit außerordentlicher Wucht der Regenvorhang zu, als sei das Ende der Zeit gekommen. Sünder bereue deine Taten!

Nicht, dass wir uns etwa in der Regenzeit befänden, ist im Reiseführer zu lesen. Es sei lediglich das sub­tro­pi­sche Klima dieses Landstrichs, das für eine ganzjährige Feuchtigkeit sorgt. Wie ei­gen­artig dann, dass zwanzig Kilometer weiter, in Puerto Iguazú selbst, die Straße noch staubtrocken ist, als ob es überhaupt keinen Niederschlag gegeben hätte. Nur das entfernte, bedrohliche Schau­spiel am Himmel lässt auch hier Regen erwarten.
Im Bann der Tropen
Das Künstliche und das Touristische habe ich weit hinter mir gelassen: die schicken brasilianischen Mittelklassetouristen im Restaurant "Il Fratello", den bescheidenen Kommerz und die fliegenden indianischen Händler, die mit einer Sanftheit, die mich bis ins Innerste rührte, ihre "artesanias" (Kunsthandwerke) feilboten. Ich muss an das etwa fünfzehnjährige, hochschwangere Mädchen denken, das auf einer Treppe saß und versuchte, ein paar Objekte zu verkaufen. Dabei wird mir einmal mehr bewusst, dass Argentinien ganz und gar nicht das "weiße" Land ist, das es vorgibt zu sein, nur sind die Kinder der Ureinwohner am Rande der Gesellschaft geblieben.

Ich bin zu einer Stelle geflüchtet, die ich, ohne einen Augenblick zu zögern, zu den "magischen" Orten meines Lebens zählen kann. Hier unten am alten Hafen am Iguazú-Fluss kann ich von Abenteuern träumen. Es herrscht ergreifende Stille. Sie wird nur vom Zirpen der Grillen und vom Tschu-Tschu und dem Uit-uit mir unbekannter Vögel unterbrochen. Das andere Ufer des Flusses ist bereits brasilianischer Boden, hier auf der argentinischen Seite liegt ein altes Flussschiff vor Anker, mehr ein Museumsstück als ein Verkehrsmittel, das schnurstracks aus dem Film Fitzcarraldo ge­kommen zu sein scheint. Die Szene am Hafen ist dicht mit Geräuschen, Ahnungen, Bildern ver­gan­ge­ner Zeiten, ungebändigter Natur, und die Üppigkeit der Vegetation bekommt durch die ein­tre­ten­de Dunkelheit etwas urzeitlich Bedrohliches.

Mittwoch, 29. Oktober
Regen
Es schüttet! Seit über zwei Stunden sitze ich in diesem Restaurant im Nationalpark Iguazu und ver­suche, um mich ein wenig aufzumuntern, etwas Humorvolles über die Situation zu schreiben. Es will mir aber partout nicht gelingen. Meine Jeans sind schenkelhoch nass und meine Haare gleichen triefenden Strähnen, von denen es ununterbrochen in den Hemdkragen rinnt. In kurzen Abständen treten Gruppen von völlig durchnässten, in Regenhäuten vermummten Gestalten ein, die mich mit ihren Kapuzen an eine Herde verirrter Gartenzwerge denken lässt.

Das faszinierende Tropenschauspiel, mit dem mein Besuch des Nationalparks begonnen hatte, das Gesamtkunstwerk der bleigrauen Gewitterwolken und dem leuchtenden Dunkelgrün des Dschun­gels, es sollte nur der Auftakt zu einem nicht aufhören wollenden Niederprasseln von Wasser­men­gen mit sintflutähnlichen Ausmaßen werden.

Die Fahrt mit dem zu den Seiten hin offenen Aussichtszug, der die Gäste durch den Urwald zur Estación Cataratas, dem Ausgangspunkt der Spazierpfade bringt, begann mit dem Übermut der jüngeren Besucher, die trotz des einsetzenden Regens – oder gerade deshalb – schrien und jauchzten wie auf einer Achterbahnfahrt. Bald regnete es aber derart stark, dass es aussah, als hätte man an die Waggons der Schmalspurbahn statt Seitenspiegel Seitenduschen angebracht. Spätesten an der ersten Estación (Haltestelle) hörte der Spaß deshalb auf. Jetzt galt es, frei nach dem Motto "Es rette sich, wer kann", schleunigst eine Überdachung zu finden, um dort auf bes­se­res Wetter warten zu können. Als sich an der Gewalt des Niederschlags so bald aber nichts än­der­te und auszuharren sinnlos erschien, blieb mir nichts anderes übrig, als, zwischen Rinnsälen, Pfützen und Schlamm hin- und herspringend, zum zwei­hundert Meter entfernten Restaurant zu ren­nen, als liefe ich um mein Leben.
Und da sitze ich jetzt immer noch. Am Nebentisch essen sich drei übergewichtige Latein­ame­ri­ka­nerinnen derart voll, dass es mir allein vom Zu­schauen fast übel wird. Aber beim Prinzip "Buffet" und "Pauschalpreis" wird der Mensch zur Fress­ma­schine, da beißt die Maus keinen Faden ab. Die Qualität der Speisen dieser Massen­ab­fütte­rungs­an­stalt ist aber erstaunlich hoch und ich muss mich selbst mit äußerster Disziplin dazu zwingen, nicht allzu sehr aus dem Vollen zu schöpfen.

Etwas Gegrilltes vom Schwein, eine Scheibe Rinderbraten, ein paar Kuchen und eine Tasse Kaffee später hat es zwar immer noch nicht aufgehört zu regnen, aber mit vollem Magen sieht die Welt anders aus und immerhin scheint es wieder Luftmoleküle zwischen den Regentropfen zu geben. So wage ich mich hinaus und zum paseo superior (oberen Besichtigungsweg), mehr nach lustigen Regenkapuzen-Fotomotiven suchend als nach den Wasserfällen.
Aber dann geschieht doch etwas Uner­warte­tes, ich könnte fast sagen: etwas Erlösendes! Bei der ersten Begegnung mit den Fällen bin ich von der Wucht und dem donnernden Lärm des hinunter­stür­zen­den Wassers der­art beein­druckt, dass ich vor Ergriffenheit – nicht vor Kälte! – heftig zu zittern beginne. Während sich alle meine Ge­danken auflösen und mich ausschließlich den Gefühlen über­lassen, zieht mich die Wucht eines meinen ganzen Körper erfassenden Erlebnisses minutenlang in ihren Bann!
Donnerstag, 30. Oktober
Déjà-vu in Grau
Es ist, als würde ich alte Bekannte treffen. Nur sind sie diesmal gewaltiger, lauter und beein­dru­ckender als vor drei Jahren, als ich sie zum ersten Mal erlebte. Damals wunderte ich mich, wie we­nig Wasser die Fälle führten. Hatte ich gewaltige und majestätische Kaskaden erwartet, eine fast un­un­ter­brochene, 2,7 km lange Front von herabstürzenden, tosenden Lärm erzeugenden Was­ser­mas­sen, so sah ich unter den vielen Wasserfällen, die in unterschiedlichen Mengen an verschie­de­nen Stellen in den Abgrund rauschten mitunter auch etwas enttäuschend schmale Rinnsale.
Kleinere oder größere Schwankungen beim Durchflussvolumen sind normal und je nach Anzahl der vorausgegangenen Regentage und der Niederschlagsmenge verändern die "Cataratas" deshalb stets ihr Aussehen. Das herabstürzende Wasservolumen kann zwischen 300 und 6.500 m3/sec. variieren. Anhaltende Trockenperioden können die berühmten Iguazu-Wasserfälle sogar auf einen Bruch­teil ihres normalen Volumens zusammenschrumpfen lassen. Im Mai und Juni 1978 trockneten die Fälle sogar völlig aus, zum ersten Mal seit 1934, dem Jahr der Gründung des Iguazú Natio­nal­parks.

Und weil Argentinien 1978 das Gastgeberland der 11. Fußball-Weltmeisterschaft war und die End­runde vom 1. bis zum 25. Juni 1978 ausgetragen wurde, kann man sich die bittere Enttäuschung Hunderttausender von Touristen vorstellen, die sehr gerne zwei Fliegen mit einer Klappe geschla­gen hätten.

Die "Garganta del Diablo" (der "Teufelsrachen") ist ein Muss. Man gelangt zu diesem groß­ar­tig­sten aller Aussichtspunkte über einen etwa einen Kilometer langen Laufsteg. Dann steht man auf einer breiten Plattform dicht über dem Abgrund. Unvorstellbare Wassermengen – nicht umsonst steht in der Guaraní-Sprache "Iguazú" für "Großes Wasser" – stürzen mit brausendem Getöse vom Basalt­sockel 72 m in die Tiefe in den darunter liegenden Kessel hinab. Ein atemberaubendes Schauspiel von urgewaltigem Zauber! Diese Aussicht, das ununterbrochene donnernde Grollen im Ohr und der vom Wind herübergepeitschte Sprühdunst, der das Gesicht nass kitzelt, vereinen sich zu einem überwältigenden sinnlichen Erlebnis!

Die Wasserfälle waren schon mehrmals Kulisse von Kino-Filmen, zuletzt für den Film "The Mission" (1986) mit Robert de Niro und Jeremy Irons. Für die Dreharbeiten dieses Films wurden viele der Laufstege abgerissen und erst danach wieder neu errichtet. In "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (2008) stürzen die Helden mehrere Kaskaden der Wasserfälle hinab.
In James Bonds "Moonraker - Streng geheim" (1979) stürzen das leere Boot Bonds und das ihn verfolgende und mit Beißer besetzte die Wasserfälle hinab, wobei Beißer trotz der großen Höhe unverletzt überlebt.

Freitag, 31. Oktober
Iguazú-Fälle bei Sonnenschein

Endlich ein sonniger Tag! Die relative Kühle der letzten zwei Tage ist einem sommerlichen Wetter gewichen, bei dem jeder Kontakt mit dem Wasser zur angenehmen Abkühlung wird. Um dieses Wunder der Natur beobachten zu können, das man in Argentinien Cataratas del Iguazu nennt, und das 1984 von der UNESCO zum Weltnaturdenkmal erklärt wurde (der brasilianische Teil erst zwei Jahre später), geht man über extra errichtete Wege und Stege, die zu Aussichts­platt­for­men füh­ren, die an den beeindruckendsten Stellen den hautnahen Blick auf die Wasserfälle ermöglichen.

Im Gegensatz zur düsteren Atmosphäre der letzten Tage verleiht heute die Sonne dem Areal eine fast überirdische farbige Leichtigkeit. Der feine Sprühnebel der Wasserfälle erzeugt herrlich strah­lende Regenbögen, das Grün des Urwaldes leuchtet intensiver und die Menschen, jetzt von ihren gespenstischen Regenumhängen befreit, geben sich ganz dem sinnlichen Erlebnis des Wassers hin.

Wie die tropische Vegetation, das Flattern bunter Schmetterlinge, die schweißtreibende Hitze, das Schauspiel des hinabstürzenden Wassers und dessen pausenloses Getöse ist auch das Beobachten der Touristen, die meinen Weg kreuzen, für mich Teil des wunderbaren Erlebnisses, das "Iguazù" heißt.

Man trifft sie in Scharen sowohl am "Circuito Inferior" (an der unteren Tour), bei dem man am Fuße der Wasserfälle entlang spaziert, als auch am "Circuito Superior" (an der oberen Tour), wo man dieselben von oben sieht. Allen, wirklich ausnahmslos allen ist die fast rituelle, zigmal wie­der­holte Geste der nach vorne gestreckten Arme gemeinsam. Ob per Handy-, Kompakt- oder Systemkamer fotografieren sie mit einer Besessenheit, die nur durch die Leichtigkeit des Drückens auf den Auslöseknopf zu erklären ist. Hauptobjekte der Knipserei: sie selbst vor jeder Aussicht. Bei der Leichtigkeit des Do-it-yourself mit der Digitalkamera tun mir die professionellen Fotografen leid, die an den strate­gi­schen Stellen postiert sind, um Kameralose (falls es die überhaupt noch gibt), küssende bzw. lächelnde Paare, Reisegruppen und sonstige Erinnerungsfetischisten auf Megapixel einzufangen. Stundenlang stehen diese "Professionellen" an den erfolg­ver­spre­chen­de­ren Aussichtsplattformen mit Kamera, Trittleiter und Regenschutz (mit der Auf­schrift: "fotografo profesional") und warten geduldig auf Kunden.

Es ist bekannt, dass unter den gleichen Umständen und selbst in der identischen Umgebung ver­schiedene Menschen völlig unterschiedliche Eindrücke gewinnen. So wie Kinder im Kaufhaus sofort Spielsachen erspähen und Frauen Modisches, so trägt jeder seinen ganz speziellen Filter in sich. Mein eigener Filter lässt Eindrücke passieren, die in der gleichen Zusammen­setzung kein anderer Mensch erleben würde, jeder ist diesbezüglich ein Unikum. Neben den Hauptsehenswürdigkeiten dieses Weltnaturdenkmals sehe ich Schmetterlinge, die Farbe des Lichts, die Klarheit der Luft, die Gesichter der Indios, die aus Holz geschnitzte Tukane verkaufen, und die stillenden Indiofrauen, die auf dem Boden kauern. Ich sehe die naive Freundlichkeit der Touristen aus den Vereinigten Staaten (Amerikaner darf ich nicht sagen, denn das sind hier alle). Ich erlebe das alte, inzwischen aufgelassene Sheraton-Hotel mit den Augen eines Nostalgikers und das neue Hotel wie einen nicht in diese wunderbare Natur passen­den Klotz. Ich sehe Touristengruppen, die auf den "Iguazu Jungle Explorer" genannten Jeeps ihr abge­sichertes Abenteuer erleben, und empfinde diesen ganzen Nationalpark, als sei es eine Art Natur­Disneyland.

Und ich sehe die Formen der südamerikanischen Frauen: gedrungener, weniger in die Länge gezogen als die der Mittel- und Nordeuropäerinnen, dem europäischen Schlankheitsideal völlig abgeneigt, mit ausgeprägteren Rundungen und Hüften wie Gitarren. Hätte ich eine Auswahl von Scherenschnitten von weiblichen Formen vor Augen, könnte ich mit einer hohen Trefferquote die Südamerikanerinnen aus ihnen herausfiltern.

Dass das Gebiet rund um die Wasserfälle auch eine der größten Waldreserven Südamerikas um­fasst, nämlich insgesamt 250.000 Hektar unter Naturschutz gestellten, schönsten tropischen Re­gen­walds, wo­von 185.000 als Parque Nacional de Iguaçú  auf der brasilianischen Seite liegen, und 65.000 als Parque Nacional Iguazu auf der argentinischen, konnte ich in so kurzer Zeit kaum wahr­neh­men. Dieser Nationalpark weist mit seinen 450 Vogel- und 80 Säugetierarten sowie mit 2000 Pflanzen­ar­ten, davon allein 90 Baumarten mit bis zu 40 Meter Höhe, einen immensen Reichtum an Flora und Fauna auf.

Aber habe ich vielleicht einen der geschätzten 40 gefleckten Jaguare gesehen, die diesen Uhrwald bevölkern? Einen Tapir erspäht? Einen Jabiru-Storch []? Einen Tukan []? Gar nicht zu sprechen von einem Arara-Canindé [], einen Cacicus haemorrhous [] oder einem Papagaio de peito roxo []? Dem Biss wel­cher Schlange (vielleicht der Schauer­klap­per­schlange []?) bin ich ent­kommen? Wie viele der 257 Schmetterlingsarten habe ich herum­flat­tern gesehen? Dort drin­nen, in diesem Dickicht verbergen sich lebendige Schätze wie der Schmet­ter­ling Prepona Laertes [], die Dryas Julia [], der Heliconius phillis phillis [] oder der Lycorea cleobaea []! Was mich betrifft, ist es nicht der Berg, der "ruft". Es ist der Urwald, in den ich ein­tauchen möchte und in dem ich mich, wie ein neugieriges Kind, auf Schatzsuche begeben möchte.

Der letzte Abend in Puerto Iguazu macht es mir nicht leicht. Ein tropisches Abendglühen taucht den kleinen Ort in die Farben der Sehnsucht. Ich kann nur das Licht und die samtene Atmosphäre der Dämme­rung bis zum letzten Augenblick auskosten und in Gedanken bereits, auch wenn ich dabei in Jahren denken muss, meine nächste Reise hierher planen.