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Mittwoch, 5. Juni, Bagno Vignoni Eine
schwache Abendsonne wagt sich heraus und spiegelt sich im Teich, in dem
51° warmes Wasser sprudelt. Hier badeten bereits die Römer. Pius II, der
Pienza gestalten ließ, hatte den kleinen Ort zu seiner Sommerresidenz
erkoren.Dieser aus nur wenigen Häusern bestehende Ort strahlt eine eigenartige Atmosphäre aus, eine Mischung aus ländlicher Toskana und dekadentem Kurort mit einem Hauch Mondänität. Am Ortsrand gibt es eine sehr schöne Stelle, an der das heiße Wasser in Bächen zu Tal strömt und reizvolle Ausblicke auf das Orcia-Tal, auf die Burgen Ripa d'Orcia, und Rocca d'Orcia gewährt. Mir fehlt nur die Klarheit der Luft, um völlig zufrieden zu sein. Ich sitze gerne hier, zum Abschluss dieses kilometerfressenden Tages. Anschließend fuhr ich nach La Foce, wo es eine sehr schöne (in den meisten Fotobüchern über die Toskana vorgeführte) Zypressenallee gibt, die wie eine Säge im Zickzack den Hügel hinaufklettert. Unwillkürlich musste ich an Bolgheri und an Josuè Carduccis Gedicht über die geliebten Zypressen seines Heimatortes denken: "I cipressi che a Bolgheri alti e schietti van da San Guido in duplice filar, quasi in corsa giganti giovanetti mi balzarono incontro e mi guardar...." (von Bolgheri die beiden Reihn Zypressen, die grad und stattlich nach San Guido gehn, wie junge Riesen, die im Lauf sich messen, so eilten sie heran, nach mir zu sehen). -> zum vollständigen Text (Deutsch u. Italienisch). Das Italien einer Vergangenheit, als es noch keine überfüllten Parkplätze und Handys gab, lag vor meinen Augen.
Für mich repräsentiert dieser Winkel des Landes am Vollständigsten das, was ich mir unter Toskana vorstelle. Sie ist sehr abwechslungsreich, in dieser Jahreszeit von einem zarten Grün geprägt, streckenweise einsam und verlassen, obwohl auf jedem Hügel ein Anwesen steht. Will man sich dieses aber einmal aus der Nähe ansehen, entpuppt es sich oft als ein aufgelassener, verfallener Hof. Man kann im Erdgeschoss noch die Ställe mit der Futterkrippe und mehreren Zentimetern getrockneten Kuhmists auf dem Boden sehen. Der agriturismo selbst scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken. Die Absage der amerikanischen Gruppe habe der azienda trotz Konventionalstrafe einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. Ob es hier Vipern gebe, frage ich ihn, und er bestätigt es und gibt mir zugleich Ratschläge für das Verhalten in der macchia (denn woanders würden sie kaum auftreten): ich solle nie mit den Händen zum Boden greifen und lieber einen Stock verwenden. Andererseits habe es in den letzten Jahren kaum einen Fall von Schlangenbiss gegeben. Rund um das Grundstück des Klosters habe er eine Schneise in die Vegetation schlagen lassen, um das Habitat der Schlangen vom Wohnbereich abzutrennen. Auf offener Fläche seien sie leichte Beute für Wiesel, Steinmarder, Raubvögel - und Katzen. Und von diesen gebe es im und um das Kloster genügend. Das naturgemäße Wirtschaften habe allen diesen Wildarten eine "Erholung" geboten, sogar Wiedehopfe seien in den letzten Jahren beobachtet worden. |
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