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Als
ich, vollgepackt mit Vorstellungen und Erwartungen, in Przemysl ankomme,
ist es bereits dunkel. Und in dieser Dunkelheit erlebe ich den absurdesten
Ort, der mir bisher auf dieser Reise begegnet ist: teils komplett erhaltene
historische Substanz, die den melancholischen Charme der Habsburger-Zeit
widerspiegelt, teils monströse Anhäufung von Wohnsilos aus der
"Fortschritts-Zeit".
Aber dieser erste Eindruck ist wohl recht selektiv, denn er basiert einzig
und allein auf die flüchtigen Blicke, die ich beim chaotischen Hin-und-her-Fahren
auf der Suche nach einer Unterkunft aus dem Autofenster werfen konnte.
Ein endgültiges Urteil steht somit noch bevor.
Früh los zu fahren fällt mir immer schwer, besonders wenn ich
kein genaues Ziel vor Augen habe. Erschwerend kam heute hinzu, dass ich
mir in den Kopf gesetzt hatte, noch unbedingt ein Lenkradschloss kaufen
zu müssen. Nach all dem, was man mir gesagt hatte, war dies fast
ein Muss. In der festen Überzeugung, rasch das Problem lösen
zu können, schilderte ich dem jungen Mädchen an der Rezeption
(auf Englisch) mein Anliegen. Leider erwies sie sich als völlig überfordert.
Sie blätterte und blätterte im Telefonbuch und kam keinen Deut
weiter. Eine Stunde später - ich war inzwischen noch schnell Geld
wechseln - war sie in der Angelegenheit immer noch nicht weiter, sie tat
mir jetzt fast schon Leid.
Nach vielem Hin und Her sprang schließlich der Sohn des Hotelmanagers
ein, rief die richtigen Geschäfte an, stellte die richtigen Fragen
und begleitete mich anschließend auch noch zum entsprechenden Laden.
So endete dieser für ein ehemaliges Ostblockland eher kostspielige
Aufenthalt in dieser Stadt. Umgerechnet etwa zweihundert Mark kosteten
mich zwei Übernachtungen in einem kleinen, uncharmanten Zimmer, 45,-
der bewachte Parkplatz, 30,- die Stadtführung.
Endlich fuhr ich weiter, zuerst nach Süden zu den Ausläufern
der Tatra, dann bei Nowy Sacz dem Fluss Dunajec entlang
bis zur slowakischen Grenze und wieder zurück, um anschließend
mein Auto in Richtung Osten zu steuern.
Die Ausläufer der Tatra waren für einen Alpenländer kaum
beeindruckend und das diesige Wetter nahm den Bergen auch noch ihre Dreidimensionalität.
Das Fehlen jeglicher Höhepunkte schien mir keine Alternative zu lassen
außer fahren, fahren und fahren. Die Gegend entlang der Hauptstraße
nach Osten ist dicht besiedelt und mit allen Wohltaten beglückt,
die die Moderne zu bieten hat: Tankstellen, viele
Autos, Werbeplakate am Straßenrand, Fritten-Buden und dergleichen
mehr.
Und während ich auf der Suche nach der europäischen Vergangenheit
war, nach ursprünglichen Dörfern und gackernden Hühnern,
fand ich nur das, was mir die Po-Ebene oder Niederbayern ebenso gut hätten
bieten können. Freilich, als ich wegen einer Umleitung auf Nebenstrecken
gerat, gab es furchtbare Löcher in der Straßendecke, und ich
sah tatsächlich Enten und Gänse in Gärten und Höfen
herumlaufen, aber gleich daneben waren auch moderne Wochenendhäuser
zu sehen in einem Baustil, wie man es auch in Riva del Garda finden könnte.
Erst nach Sanok - die Dämmerung hatte bereits begonnen und der Himmel
sich dunkelrot gefärbt - kam die dichte Besiedelung zu einem
Ende - schlagartig. Es ging plötzlich bergauf, dunkle Wälder
streiften die Straße und die Füchse schienen sich endlich gute
Nacht zu sagen. Jetzt musste ich aber kräftig aufs Gaspedal drücken.
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